Länge 19,5 km (17 km ohne die Abstecher zu den Burgen)
Dauer 5-7 h (ca. 45 Minuten kostet das Erkunden einer Felsenburg)
Anspruch Anspruchsvoll, 550 Hm, Zum Höhenprofil
Sehenswertes Šaunštejn, Falkenštejn, Na Tokani, Dolský mlýn, Lehrpfad "Dittersbacher Felsen" (Naučná stezka Jetřichovické skály)
Aussichten Šaunštejn (Schauenstein), Rudolfův kámen (Rudolfstein), mehrere am Fuße des Koliště (Gohlischt)
Einkehrmöglichkeit Mehrere in Jetřichovice, Vysoká Lípa und Na Tokani (die Karte zeigt jeweils einen Kandidaten)
Anfahrt Pkw

Adlerhorsten gleich flankierten einst mehrere Felsenburgen die Handelsrouten der böhmischen Schweiz. Von den einstigen Rückzugsorten der Wegelagerer hoch oben auf den schwer zugänglichen Gipfelplateaus geht heutzutage keine Gefahr mehr aus, sieht man vom klettertechnischen Risiko einer Ersteigung des Falkenštejn einmal ab, das Entdecken der alten Spuren der Anlagen entwickelt eine eigene Faszination...

Wer ernsthaft in Erwägung zieht, die Gegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, wird nicht am Auffinden der Verbindungen scheitern. Daher beschränken wir uns auf Hinweise zur Parksituation.

Optimaler Ausgangspunkt ist wohl die kostenfreie Parkfläche in der Spitzkehre am (von Hřensko kommend) Ortsausgang von Vysoká Lípa (gegenüber vom Hotel Lípa). Dann bringt man das erste Stück öffentliche Straße, das zwingend zu begehen ist, gleich zu Beginn hinter sich.

Kostenpflichtig, allerdings ist kaum zu durchschauen, wann kassiert wird, ist der große Parkplatz kurz nach dem Ortseingang von Vysoká Lípa. Mit U Loupežáku bzw. U Nás böten sich am Platze gleich zwei Restaurants für einen würdigen Abschluss der Wanderung an.

Oder aber sie Parken im Ortszenturm von Jetřichovice (bspw. kostenfrei unterhalb der Kirche), was vor allem bei Anreise aus östlicher Richtung eine sinnvolle Alternative darstellt. Restaurants gibt es dort wie Sand am Meer...

 

Die Beschreibung der Wanderung startet am Parkplatz gegenüber vom Hotel Lípa.
 
Dass starker Autoverkehr hinunter in den Ort das Laufen am Straßenrand gefährdet, ist kaum anzunehmen, dennoch könnten sie gut die Hälfte der Wegstrecke entlang der Straße über den gelb markierten Wanderweg am Fuße des Schlossberges (Zámecký vrch) umgehen. 400 Meter Distanz und einen kleinen Anstieg schlagen somit zusätzlich zu Buche. Die folgenden 400 Meter Straßenetappe lassen sich nun wirklich nicht sinnvoll umgehen. 
 
Vom großen Parkplatz mit den zwei Kneipen (für die Einkehr ist es wohl noch zu früh) geht es auf dem auch als Radroute 3029 ausgewiesenen Weg am Waldrand entlang. Nach einem halben Kilometer markiert der typische Stein den Eintritt in die Nationalparkzone. Streng nach Richtungsvorgabe gänge es auf dem Radweg weiter, aber da wir die böhmischen Felsenburgen als Aushängeschild dieser Wanderung wählten, sollten sie den Abstecher zum Schauenstein (Šaunštejn) nicht auslassen, zumal es nur gut 500 Meter sind (zugegeben, ein relevanter Anstieg zählt auch noch hinzu). Im Unterschied zum Falkenstein, der im weiteren Verlauf noch besucht werden soll, taugt der Berg auch für den klettertechnisch unbedarften Wanderfreund. Also geht es zunächst nach links zum Fuß des Steins und über eine erste bequeme, zuletzt steile Leiter, die sehr korpulente Aspiranten wohl in die Enge treibt, nach oben.
 
Ein zu einem Unterstand erweiterter Hohlraum, eine tiefe Zisterne, Balkenlager, arg ausgetretene Stufen und nicht zuletzt eine tolle Aussicht (auch wenn die Sicht zum Zeitpunkt, als das Foto aufgenommen wurde, nicht wirklich toll war) entlohnen für die kleinen Mühen. 
 
Zurück auf Start. Also hinab zur Kreuzung mit dem Radweg 3029. Die dortige Informationstafel ist westlicher Endpunkt des Lehrpfades "Dittersbacher Felsen", dem sie im ersten Abschnitt der Wanderung folgen werden. Es geht nach Osten. Auf einer Forststraße, die einst Bestandteil der Böhmerstraße (Česká silnice) war, einem bedeutenden Handelsweg zwischen Böhmen und Sachsen. Nahezu schnurgerade führt sie durch den Wald, stetig dezent ansteigend, so dass nur die Radfahrer die Anstrengung spüren sollten. Sobald die Straße nach einem reichlichen Kilometer des Weges erstmals eine Linkskurve beschreibt, geht es rechts ab. Sie befinden sich an der Zollsäule (Celní sloup), früher ein Übergang zwischen den Herrschaftsgebieten von Kinsky und Clary - Aldringen, an dem eine zeitlang sogar Maut- und Zollgebühren erhoben wurden und das abseits der Landesgrenze...
 
Der sich oft verjüngende Pfad umschreitet in ausladendem Bogen den "Kaaßgrund" mit dem Semmelstein und führt um das Riff des Käsesteins herum, zuletzt abfallend ins Kapellenloch mit einer Felsenkapelle (Skalní kaple), die sie allerdings erst zu Gesicht bekommen, wenn sie dem rechts abzweigenden Weg für 50 m folgen. Dieser blau markierte Wanderweg führt direkt nach Jetrichovice und ergäbe eine deutliche Abkürzung der Runde.
 
Sie, noch immer voller Tatendrang, verbleiben jedoch auf dem Lehrpfad, der sich in einer sich zunehmend verengenden Felsenschlucht deutlich in die Höhe schraubt. "Gärtner Bloß" nennt sich diese Passage, in der im 19. Jahrhundert eine Holzriese, so die Bezeichnung für eine aus Holz gezimmerte Rutsche, zum Abtransport der auf den Riffen geschlagenen Bäume diente.
 
Eine Unterbrechung des Felsabbruchs formt zwischen den Wänden eine breite Terrasse, über die der Wanderweg noch recht komfortabel um den breiten Gipfel des Gohlisch herum führt. Mehrere Tafeln, oft unangemessen weit oben am Fels befestigt, informieren über geologische oder waldwirtschaftliche Besonderheiten. Der Ausblick auf weite Teile der Böhmischen Schweiz ist stets gegeben, auch wenn der Fotograf eine Stelle vermissen wird, an der einmal kein Baum das Motiv ruiniert.
 
Am Sofa (Pohovka) wäre mit dem grün markierten Wanderweg, der rechterhand ins Tal führt, die letzte sinnvolle Begradigung der Wanderung erreicht. Auch wenn es tausend Gründe gäbe, die Strapazen durch Flucht ins Tal abzumildern, so stehen mit Rudolfův kámen, Na Tokani und dem optionalen Falkenštejn drei kaum zu ignorierende Argumente dagegen. Also folgen sie weiter der roten Markierung, der vermeintliche Anstieg, der vor ihnen liegt, löst sich schnell in Wohlgefallen auf, einzig der Aufstieg zum Rudolfstein erhöht kurzzeitig die Herzfrequenz. Aber wenn sie diesem von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen, dann wollen sie da hoch. Garantiert!  Und vielleicht haben sie ja ganz viel Glück und erleben dort einen der seltenen aber umso beeindruckenderen Momente über den Wolken (diese Aufnahme ist in unserem Kalender 2017 enthalten!).
 
Vom Fuß des Berges bis zur Schutzhütte Purkratický les sind es nur wenige hundert Meter. Der Lehrpfad Dittersbacher Felsen, dem sie bisher folgten, führt gerade aus, eine Variante, die wir in der Wanderung Durch das Paulinental zum Marienfels beschrieben haben. Allein anhand des Kalorienhaushalts, der, wenn nicht durch Verpflegung aus dem Rucksack bereits nivelliert, ergibt sich die Notwendigkeit, an dieser Stelle nach links abzuschwenken und auch dem nach exakt einem Kilometer erreichten Wegeknoten vorerst rechts liegen zu lassen, um nach 1,4 km in einem der drei Einkehrmöglichkeiten von Na Tokani Zuflucht zu finden.  
 
Ausreichend gestärkt läuft es sich doch gleich viel besser.
 
Also geht es ca. 400m den bekannten Weg zurück und nun nach links. Ob sie unmittelbar darauf der blauen Markierung durch die Senke folgen oder doch der Forststraße, ist bez. der Distanz unerheblich. Wichtig ist nur, dass sie an der Vereinigung beider Strecken der Forststraße den Vorrang einräumen, die, nun gelb markiert, bequem ins Tal leitet. Nach weiteren 2,5 km leicht, weil abfallend,  abzuspulender Strecke, ohne berauschende Details am Rande, markiert eine große Informationstafel den Zutritt zur Felsenburg Falkenstein (Hrad Falkenštejn). Falls Höhenangst ihr Begleiter oder Trittsicherheit nicht zuverlässig gegeben ist, dann verzichten sie besser auf den Aufstieg. Und bedenken sie, dass Kletterpassagen im Aufstieg immens einfacher von der Hand gehen als im Abstieg. Es existieren dort oben kein Geländer und keine Leiter!
 
Letzteres stimmt nicht ganz. Zumindest erleichterte kürzlich (Ende 2015) eine kurze Leiter den Einstieg. Den ramponierten Sprossen nach zu urteilen, steht deren endgültiges Versagen bald bevor. Verzichten sie besser ganz auf diese klapprige Hilfe, dann bekommen sie gleich ein Gefühl, ob sie dem Weiterweg gewachsen sind. Die folgende in Stein gemeißelte Treppe mutet einfacher an als sie ist, etwas Erfahrung im Kaminklettern kann nicht schaden.
 
Auf dem Gipfelplateau eröffnet sich eine Aussicht zu den Rabensteinen, Hauptkammer, die kleine Zisterne, ein weiterer, 25m tiefer Brunnenschacht existiert auf halber Höhe, und andere Spuren einstiger Besiedlung sind auf der gesamten Fläche anzutreffen.
 
Hoffentlich (!) unbeschadet zurück im Tal passieren sie bald das einstige Kindererholungsheim, das, so scheint es, wohl dem Verfall preisgegeben ist.
 
Unmittelbar an den ersten Häusern von Jetřichovice halten sie schräg über den dortigen großen Parkplatz und folgen der kleinen Anwohnerstraße bis zur Hauptstraße. Möglichkeiten zur Einkehr sind unmöglich zu verfehlen. Nun bleibt ihnen die Nutzung der Straße leider nicht erspart, alle verkehrsfreien Alternativen verlängerten das Leiden drastisch. Einen reichlichen Kilometer geht es in westliche Richtung, bis, unmittelbar vorm Ortsausgang, links die Zufahrt zur Alten Mühle (Stary Mn) in Sicht kommt. Interessant ist der kleine Wasserfall der Jetřichovická Bělá, der einst das Mühlrad antrieb und jetzt leider im eingezäunten Areal der Pension liegt.
 
Bis Královský smrk (Königsfichte) geht es im Tal eben dahin. Hier verlassen sie die Forststraße und verbleiben am rechten Ufer der Kamenice, die teilweise so eng an die Felswände rückt, dass erst eine aufwändige Erschließung den Abschnitt für den Wanderer passierbar gestaltete. An der Grundmühle (Dolsky Mn), vor der Vertreibung der deutschstämmigen Betreiber eine beliebte Einkehr, lauert die letzte Herausforderung der Wanderung: der abschließende steile Aufstieg aus dem Tal. Der Friedhof, den sie zuvorderst auf der Anhöhe erreichen, wurde nicht für vollends erschöpfte Touristen erschaffen. Sie schaffen den letzten flachen  Kilometer zum Ausgangspunkt garantiert noch! Folgen sie einfach der Straße...
 
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